Neuronen und Akupunktur – Teil 4

Wie steht es mit physiotherapeutischen Massnahmen? Auch der Nutzen von physiotherapeutischen Massnahmen und körperlichem Training ist unbestritten. Beide haben zum Ziel, Schmerzpatienten aus ihrem Schonverhalten hinauszuführen, das ihre Beweglichkeit einschränkt
und damit ihre Leiden nur noch verschlimmert.

Kann auch direkt eingegriffen werden?

Direkt in die gestörte Schmerz-Signalübertragung einzugreifen versucht man mit Hilfe sogenannter Gegenirritationsverfahren.

Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (Tens) werden die schmerzhaften Areale über Hautelektroden elektrisch gereizt und damit – so die Theorie – Nervenbahnen aktiviert, die die
Schmerzübertragung hemmen.

Obwohl die Wirksamkeit dieser Methode wissenschaftlich schwer zu beweisen ist, scheint sie vielen Patienten zumindest vorübergehend zu helfen. Ähnliche Wirkungen erhält man mit der Akupunktur.

Könnte auch aus Psychotherapeutischer Richtung Hilfe kommen?

Das Zusammenleben macht das Gehirn zu dem, was es ist: Gedächtnis, Erinnerung, Erfahrung.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Stressforschung ist, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im Gehirn abgebildet und gespeichert werden, sondern dass sie die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie ‘Droge’ gegen seelischen und körperlichen Stress
darstellen.

Auf dieser Basis  lässt sich eine Therapie auf alle Fälle unterstützen.

Beziehungen können heilen?

Zwischenmenschliche Beziehungen wirken massiv in uns hinein und nicht nur die „Seele“, sondern auch Gene, neurobiologische und körperliche Strukturen des Organismus beeinflussen, ist es nicht überraschend, dass die Heilung für Körper und Seele ebenfalls in der zwischenmenschlichen
Beziehung stattfindet.

Und wenn die Erfahrungen in der zwischenmenschlichen Beziehung einen
prägenden Einfluss auf seelische und neurobiologische Strukturen haben, dann müsste Psychotherapie bei Personen mit seelischen Gesundheitsstörungen nicht nur zu einer Beseitigung der seelischen
Probleme, sondern auch zu neurobiologischen Veränderungen führen.

Dazu liegen in neuerer Zeit faszinierende wissenschaftliche Daten vor. Die Auswirkungen von Psychotherapie konnten mit Hilfe bildgebender Verfahren neurobiologisch sichtbar gemacht werden.

Man konnte zeigen, dass Psychotherapie dazu führen kann, dass sich neurobiologische Veränderungen, die sich begleitend zu einer seelischen Gesundheitsstörung entwickelt haben, wieder zurückbilden.