Wo ist die Verbindung zwischen Neuronen und dem Burnoutsyndrom? Teil 2

Brauchen wir Kontakte? Das menschliche Erleben und das Lernen brauchen persönliche Beziehungen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Stressforschung ist, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im Gehirn abgebildet und gespeichert werden, sondern dass sie die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie ‘Droge’ gegen seelischen und körperlichen Stress darstellen.
In zwischenmenschlichen Beziehungen bewegt sich unser seelisches Erleben und bewahrt sich unsere körperliche Gesundheit. Überall da, wo sich Quantität und Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen vermindern, erhöht sich das Krankheitsrisiko.

Unser Gehirn bewertet?

Die Erfahrungen in der zwischenmenschlichen Beziehung, die der Mensch von klein auf gemacht hat, werden in seinem Gehirn, in Nervenzell-Netzwerken, gespeichert und bei ähnlichen Situationen wieder abgerufen.

In Sekundenbruchteilen gleicht das Gehirn eine Situation mit gespeicherten Erinnerungen an ähnliche Situationen ab. Dadurch kommt eine Bewertung der Situation zustande, die sich aus den Erfahrungen ergibt. Hier kommen wir bei Stress und Schmerzerfahrungen an, die in der heutigen Zeit äusserst aktuell sind.

Können seelische Belastungssituationen Schmerzen hervorrufen?

Wenn Menschen unter langandauernden Schmerzerfahrungen leiden, hinterlassen diese eine „Inschrift“ (Engramm) im emotionalen Schmerzgedächtnis, das sich im limbischen System befindet.

Die Schmerzerfahrungen verändern die Aktivitäten von Genen, sodass es zu Veränderungen von Verschaltungen und zum Umbau von Nervenzell-Netzwerken kommt.
Diese „Inschriften“ können für längere Zeit stumm bleiben und eine Art „Winterschlaf“ abhalten, währenddessen keine Beschwerden auftreten.

In seelischen Belastungssituationen können diese jedoch reaktiviert werden und chronische Schmerzen hervorrufen, ohne dass am Ort der Beschwerden ein organischer Befund vorliegt. Manche Ärzte diagnostizieren: Burnout-Syndrom.

Was ist das Burnout-Syndrom?

Als Diagnose wird Burnout-Syndrom im (ICD) unter “Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” (Z70 – Z76) geführt.

Doch jeder von uns kennt das: Müdigkeit, ausgelaugt sein, lustlos, frustriert, hoher Blutdruck, Schulter- und Rückenschmerzen, Herzklopfen oder niedriger Blutdruck und wir kommen schwer in die Gänge.

Mit 130 dieser und ähnlicher Symptome  wird es beschrieben. Aber wann hat man das Burnout-Syndrom?

Kann man das Gefühl „ausgebrannt sein“ sicher diagnostizieren oder jemanden erklären, er leide nicht am Burnout-Syndrom, obwohl er total erschöpft und ausgelaugt ist?

Burnout das Syndrom unserer Zeit?

Wir sind überbelastet. Im Beruf müssen wir Schritt halten, die Familie fordert uns und wir selbst fordern uns auch.
Die Belastungen wachsen und wir finden keinen Ausgleich.Und irgendwann kommen wir an unsere Grenzen?

Wo liegen die Ursachen des Burnoutsyndroms?

Die Ursachen des Burnout liegen in der Mehrheit der Fälle im zwischenmenschlichen Bereich. Aber die Auswirkungen zeigen sich  in hohem Masse in körperlichen Beschwerden. Laut einer AOK-Studie klagen 30-35 Prozent der Erwerbstätigen über starke, objektiv beschreibbare psychische Belastungen.
Über 70 Prozent der Erwerbstätigen klagten über Verspannungen, Rückenschmerzen oder Abgeschlagenheit. Sie nannten als Belastungsfaktoren unter anderem ein schlechtes Betriebsklima, ungerechte Behandlung durch den Vorgesetzten, Eintönigkeit, Hektik und eine dadurch verursachte innere Abneigung gegen die Arbeit.

Was kann Burnout-Betroffenen helfen?

Wird das Syndrom aus dieser Sichtweise gesehen bleibt nur die Empfehlung zur ärztlichen Hilfe eine spezifische psychotherapeutische Behandlung zu beginnen, bei denen die Betroffenen lernen können, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen so zu gestalten, dass ihre seelische und körperliche Gesundheit am Arbeitsplatz z. B. keinen Schaden nimmt.

Beziehungen können heilen?

Zwischenmenschliche Beziehungen wirken massiv in uns hinein und nicht nur die „Seele“, sondern auch Gene, neurobiologische und körperliche Strukturen des Organismus beeinflussen, ist es nicht überraschend, dass die Heilung für Körper und Seele ebenfalls in der zwischenmenschlichen Beziehung stattfindet.

Und wenn die Erfahrungen in der zwischenmenschlichen Beziehung einen prägenden Einfluss auf seelische und neurobiologische Strukturen haben, dann müsste Psychotherapie bei Personen mit seelischen Gesundheitsstörungen nicht nur zu einer Beseitigung der seelischen Probleme, sondern auch zu neurobiologischen Veränderungen führen.

Dazu liegen in neuerer Zeit faszinierende wissenschaftliche Daten vor. Die Auswirkungen von Psychotherapie konnten mit Hilfe bildgebender Verfahren neurobiologisch sichtbar gemacht werden.
Man konnte zeigen, dass Psychotherapie dazu führen kann, dass sich neurobiologische Veränderungen, die sich begleitend zu einer seelischen Gesundheitsstörung entwickelt haben, wieder zurückbilden.

Was ist also wichtig im Bezug auf die Burnout Vermeidung?

Wir unterschätzen den Einfluss unserer Beziehungen, gehen manchmal zu leichtfertig mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen in Ehe, Partnerschaft und Familie, am Arbeitsplatz und in Freundschaften um.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Stressforschung ist, dass gute zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur im Gehirn abgebildet und gespeichert werden, sondern dass sie die am besten wirksame und völlig nebenwirkungsfreie ‘Droge’ gegen seelischen und körperlichen Stress darstellen.

Wo ist die Verbindung zwischen Neuronen und dem Burnoutsyndrom?